Going in circles

Es gab große Pläne bei der Formel 1: Der Rennzirkus soll ab 2012 zurück in die USA kommen. Da gibt es zwar bereits die bei den Fans beliebte NASCAR-Serie, aber eben auch 300 Millionen Menschen mit riesiger Kaufkraft. So weit, so gut. Austin, Texas, wurde als Austragungsort für das Jahr 2012 gefunden und gleich im Jahr darauf will man die Menschen in New Jersey beglücken.

Nun aber holt Formel 1- Chef Bernie Ecclestone die Keule raus und droht mit der Absage des Events in Texas. Hintergrund: Dort will man an der neu zu errichtenden Strecke nicht weiterbauen, bevor nicht ein fester Vertrag für das Rennen unter Dach und Fach ist. Ecclestone aber lässt das nicht gelten und drängt auf den Weiterbau, ansonsten fliegt Austin halt wieder raus aus dem Rennkalender.

Nun mag es Bernie gewohnt sein, dass ihm Regional-, Kommunal- und Staatsregierungen zu Füßen liegen und wahrscheinlich hält er sich für eine Art Geschenk des Himmels für die Austragungsorte weltweit (die übrigens nicht nach sportlichen, sondern nach rein geschäftlichen Gesichtspunkten ausgewählt werden, sprich: Wer mit den größten Scheinen wedelt, bekommt ein Rennen). Wir meinen aber: Austin hat geistloses Im-Kreis-Fahren überhaupt nicht nötig. Die Stadt ist etwas ganz besonderes in Amerika, hat eine tole Atmosphäre und allerhand zu bieten. Sie nennt sich selbst “Live Music Capital of the World”, sie ist der Sitz des texanischen Gouverneurs und sie hat ein tolles Naherholungsgebiet rund um den Lady Bird Lake.

Wenn man sich mal vor Augen führt, dass schlappe 300 Millionen Dollar investiert werden mussten, um die Strecke zu bauen und dass die Austragung solcher Rennen für die Kommunen weltweit eigentlich immer ein Verlustgeschäft sind, dann ist es geradezu abenteuerlich von Ecclestone, den selbstherrlichen Zampano zu mimen und Austin nicht die Sicherheit eines unterzeichneten Vertrags zu geben. Wer am Ende einen Verlust erleidet, wenn der Zirkus abgesagt wird, ist für uns eigentlich offensichtlich.

Übrigens: Wer richtigen Sport sehen will, der ist in Austin genau richtig. Hier spielen nämlich die Texas Longhorns, eines der besten Collegeteams des Landes in Basketball und Football. Das ist echter, engagierter Sport mit tausenden begeisterter Fans.

 

~ von suedwestmagazin am 2011/11/18.

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